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Biogasanlage
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Eine Biogasanlage dient der Erzeugung von Biogas durch VergĂ€rung von Biomasse. In landwirtschaftlichen Biogasanlagen werden meist tierische Exkremente (GĂŒlle, Festmist) und Energiepflanzen als Substrat eingesetzt. In nicht-landwirtschaftlichen Anlagen wird Material aus der Biotonne verwendet oder Abfallprodukte aus der Lebensmittelproduktion. Als Nebenprodukt wird ein als GĂ€rrest bezeichneter DĂŒnger produziert oder es erfolgt die anschließende stoffliche Weiterverwertung mittels angeschlossener Kompostierung (Kaskadennutzung). Bei den meisten Biogasanlagen wird das entstandene Gas vor Ort in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Strom- und WĂ€rmeerzeugung genutzt. Andere Biogasanlagen bereiten das gewonnene Gas zu Biomethan auf und speisen es ins Erdgasnetz ein.

Contents

‱ Biogas
‱ Biomethan
‱ GĂ€rrest
‱ Sicherheit
‱ Vorteile
‱ Nachteile
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Prinzip einer Biogasanlage

| Material | Biogasertrag in m 3 pro Tonne Frischmasse | Methan- gehalt |
|---|---|---|
| Maissilage | 202 | 52 % |
| Grassilage | 172 | 54 % |
| Roggen-GPS | 163 | 52 % |
| ZuckerrĂŒben- Pressschnitzel siliert [ 2 ] | 125 | 52 % |
| FutterrĂŒbe | 111 | 51 % |
| Bioabfall | 100 | 61 % |
| HĂŒhnermist | 80 | 60 % |
| Schweinemist | 60 | 60 % |
| Rindermist | 45 | 60 % |
| Getreideschlempe | 40 | 61 % |
| SchweinegĂŒlle | 28 | 65 % |
| RindergĂŒlle | 25 | 60 % |

In einer Biogasanlage erfolgt der anaerobe (ohne Sauerstoff) mikrobielle Abbau (VergĂ€rung) des eingesetzten Substrats. Dieses besteht meist aus gut abbaubarer Biomasse wie GĂŒlle und Energiepflanzen (vor allem Mais-, Getreide- und Grassilage), aber auch aus organischen AbfĂ€llen und Reststoffen von Landwirtschaft und Industrie, sowie BioabfĂ€llen aus kommunalen Sammlungen. Stroh und Holz, die vor allem Cellulose und Lignocellulose enthalten, sind unter anaeroben Bedingungen nur schwer oder gar nicht abbaubar und werden daher nicht eingesetzt.

Verschiedene Arten von Mikroorganismen nutzen die komplex zusammengesetzte Biomasse (vor allem Kohlenhydrate, Fette und Proteine) als NĂ€hrstoff- und Energielieferanten. Anders als beim aeroben Abbau (mit Sauerstoff, wie etwa bei der Kompostierung) können die Organismen bei der anaeroben VergĂ€rung nur einen geringen Teil der enthaltenen Energie nutzen. Die anaerob nicht nutzbare Energie befindet sich im „Abfallprodukt“ Methan.

Hauptprodukte des anaeroben Abbaus sind das energiereiche Methan (CH4) und Kohlenstoffdioxid (CO2). Da beide gasförmig sind, trennen sie sich vom GĂ€rsubstrat und bilden die Hauptkomponenten des Biogases. CO2 ist nicht weiter oxidierbar, d. h., es brennt nicht. Es braucht aber nicht vom energiereichen CH4 abgeschieden werden und kann zusammen mit diesem im Blockheizkraftwerk der Verbrennung zugefĂŒhrt werden.

Substrate zur Biogaserzeugung

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Hauptartikel

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Substrat (Biogasanlage)

Der zur Biogaserzeugung eingesetzte Rohstoff wird als Substrat oder Einsatzstoff bezeichnet. Die Substrataufbereitung ist die erste und eine der wesentlichen Phasen im Prozess der Biogasproduktion. Bevor Biomasse im Fermenter zur Gasproduktion eingesetzt werden kann, muss sie entsprechend vorbereitet werden.cite-ref-3[3] Geeignet ist jede Art von Biomasse, die unter anaeroben Bedingungen (VergĂ€rung) abgebaut wird. Die jeweilige chemische Zusammensetzung, insbesondere die enthaltenen Kohlenhydrate, Fette und Proteine, ist entscheidend fĂŒr die erzeugbare Menge Biogas und deren Methananteil.

In der Praxis entscheiden die Einkaufs- und Anbaukosten, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten VergĂŒtungen und Boni und die Eignung der Biogasanlage ĂŒber das verwendete Substrat.

Verbleib des Substrats

Ein Teil des Substrats dient den Mikroorganismen als NĂ€hrstoff zum Aufbau ihrer Zellmasse (Anabolismus). Die dafĂŒr benötigte Energie wird aus der VergĂ€rung des Substrats gewonnen. Da der Energiegewinn, verglichen mit der aerob stattfindenden Atmung, gering ist, mĂŒssen pro erzeugter Zellmasse vergleichsweise große Massen Substrat umgesetzt werden.

Bei gut abbaubaren Substraten wird ein großer Teil der Trockensubstanz in das Biogas umgesetzt. ZurĂŒck bleibt der sogenannte GĂ€rrest, ein wĂ€ssriges Gemisch aus schwer abbaubarem organischen Material, wie Lignin und Cellulose, sowie anorganischen, d. h. ĂŒberwiegend mineralischen Stoffen. Der GĂ€rrest wird meistens als landwirtschaftlicher DĂŒnger verwendet. Er enthĂ€lt noch sĂ€mtliche Spurenelemente des Substrats, fast den gesamten Stickstoff, Phosphor und – abhĂ€ngig von der Verfahrensart der Biogasanlage – auch fast den gesamten Schwefel.

Mikrobielle Prozesse

Der anaerobe Abbau von Biomasse ist Grundlage der Entstehung von Faulgasen wie Deponie-, KlĂ€r-, Sumpf- und Biogas. Viele verschiedene Arten von Mikroorganismen sind beteiligt. Vorkommen und Mengenanteile der Arten sind von der Art des Substrats, dem pH-Wert, der Temperatur und dem Ablauf der VergĂ€rung abhĂ€ngig. Aufgrund der vielfĂ€ltigen Stoffwechsel der Gemeinschaft von Mikroorganismen können die meisten organischen Stoffe abgebaut werden. Lediglich Cellulosefasern und verholzte Anteile aus Lignocellulose sind enzymatisch schwer abbaubar. Voraussetzung fĂŒr die Methanbildung ist ein ausreichender Wasseranteil im GĂ€rsubstrat.

Der Abbauprozess wird schematisch in vier aufeinanderfolgenden biochemischen Einzelprozessen (Phasen) dargestellt. Die gÀngigen Anlagenkonzepte sehen meist eine fortwÀhrende Substratzufuhr zum Fermenter vor, so dass die vier Phasen parallel stattfinden.

1. Phase: Hydrolyse

Mikroorganismen können die polymeren MakromolekĂŒle der Kohlenhydrate und Proteine nicht direkt verarbeiten. Als Hilfsstoffe dienen ihnen darum verschiedene Arten von Exoenzymen, wie Amylasen, Proteasen und Lipasen, welche die MakromolekĂŒle zu löslichen Oligomeren und Monomeren hydrolysieren. Kohlenhydrate wie StĂ€rke und Hemicellulose werden in Oligo- und Monosaccharide (Mehrfach- und Einfachzucker) zerlegt. Proteine werden zu Peptiden oder AminosĂ€uren abgebaut. Fette können in ihre Bestandteile FettsĂ€uren und Glycerin, hydrolysiert werden.

2. Phase: Acidogenese oder VersÀuerungsphase

Die Produkte der Hydrolyse werden durch sÀurebildende Mikroorganismen im Verlauf der Acidogenese zu niederen Fett- und anderen CarbonsÀuren, wie Valerian-, Butter- sowie PropionsÀure, und Alkoholen wie Ethanol verstoffwechselt. Abbauprodukte der Proteine sind Schwefelwasserstoff (H2S) und Ammoniak (NH3).

3. Phase: Acetogenese oder essigbildende Phase

WÀhrend der Acetogenese werden die niederen Fett- und CarbonsÀuren sowie die niederen Alkohole durch acetogene Mikroorganismen zu EssigsÀure (Acetat), Wasserstoff und Kohlendioxid umgesetzt.

4. Phase: Methanogenese oder methanbildende Phase

In der letzten, ausschließlich anaerob ablaufenden Phase – der Methanogenese – wird die EssigsĂ€ure durch entsprechend acetoklastische Methanbildner nach Gleichung 1 in Methan umgewandelt. Etwa 30 % des Methans entstehen nach Gleichung 2 aus Wasserstoff und CO2, den Zwischenprodukten aus der Acetogenese.

In landwirtschaftlichen Biogasanlagen verlĂ€uft die Methanbildung entgegen der bisherigen Lehrbuchmeinung bei geringerer Verweilzeit und höherer Temperatur vorwiegend ĂŒber den hydrogenotrophen (Wasserstoff verwertenden) Reaktionsweg. Acetat wird nicht unbedingt direkt in Kohlendioxid und Methan gespalten (acetoklastischer, EssigsĂ€ure spaltender Weg), sondern zunĂ€chst zu Wasserstoff und Kohlendioxid umgesetzt (syntrophe Acetat-Oxidation in Abb. 3, SchnĂŒrer et al. 1999), die dann ĂŒber die hydrogenotrophe Methanogenese in Biogas umgesetzt werden. Die Methanbildung ĂŒber die EssigsĂ€urespaltung findet in nennenswertem Maß nur bei vergleichsweise geringer Raumbelastung bzw. lĂ€ngerer Verweilzeit und niedrigen EssigsĂ€ure-Gehalten statt (Lebuhn et al., 2008a, 2009; Bauer et al., 2008, 2009). Die Methanogenese ermöglicht als energieliefernder (exothermer) Prozess (–ΔH°’: frei werdende Reaktionsenergie) die energiezehrenden Reaktionen der Acetogenese und der syntrophen Acetat-Oxidation(+ΔH°’: energiezehrende Reaktion).

EssigsÀure spaltend (acetoklastisch):
(1) CH3COO- + H+ → CH4 + CO2 (ΔH°’ = −35,9 kJ/mol)

Wasserstoff verwertend (hydrogenotroph):
(2) CO2 + 4 H2 → CH4 + 2 H2O (ΔH°’ = −131,0 kJ/mol)

Die vier Phasen lassen sich nicht strikt trennen, da etwa auch schon in der Acidogenese EssigsĂ€ure, Wasserstoff und Methan entstehen. Die Methanogenese hingegen erfordert die speziellen StoffwechselfĂ€higkeiten der methanogenen Mikroorganismen. Diese gehören zur Gruppe der Archaeen (der Klasse Methanobacteria, Methanococci und Methanomicrobia [10]) und sind nur entfernt mit den Bakterien verwandt, welche die anderen Schritte des Abbaus durchfĂŒhren.

Anlagenbetrieb

Über das genaue Zusammenspiel der Mikroorganismen ist nur wenig bekannt. Daher kann die optimale Einstellung der verschiedenen Parameter (Substratart, Substratmenge, Temperatur, RĂŒhrwerkseinstellungen etc.) oft nur experimentell gefunden werden. In Forschungsprojekten werden Charakterisierungen der mikrobiologischen Populationen beziehungsweise Gemeinschaften vorgenommen, um die ZusammenhĂ€nge besser zu verstehen.

Bei niedrigen Substratkonzentrationen wird ein nicht unerheblicher Teil der AbwĂ€rme aus der Biogasverstromung zur Aufrechterhaltung der Fermentertemperatur der NassvergĂ€rung im mesophilen Zielbereich von 30 bis etwa 35 Grad Celsius benötigt.cite-ref-4[4] Anlagen mit Trockenfermentation benötigen einen deutlich geringeren Anteil der produzierten WĂ€rme. FĂŒr den Gesamtwirkungsgrad und die Wirtschaftlichkeit einer Biogasanlage kann die Nutzung der AbwĂ€rme etwa zur GebĂ€udeheizung oder zur Holz- und Getreidetrocknung einen wichtigen Faktor darstellen.

Verschiedene z. T. recht unterschiedliche Anlagenkonzepte werden in der Praxis angewendet, die sich in erster Linie an der Zusammensetzung des Substrats orientieren. Aber auch die Rahmenbedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zur VergĂŒtung des eingespeisten Stroms spielen eine Rolle. Auch Vorschriften zur Hygiene und Vermeidung von Emissionen mĂŒssen bei der Planung der Biogasanlage berĂŒcksichtigt werden.

Nass- und Trockenfermentation

Das GĂ€rsubstrat der Nassfermentation hat einen hohen Wasseranteil. Es ist dadurch rĂŒhr- und fließfĂ€hig und wird wĂ€hrend der Fermentation laufend durchmischt. Die Trockenfermentation oder auch FeststoffvergĂ€rung erfolgt mit stapelbarer organischer Biomasse, die weder verflĂŒssigt noch wĂ€hrend der VergĂ€rung stĂ€ndig durchmischt wird. Die Verfahrenswahl hĂ€ngt im Wesentlichen von den Substraten ab.

Zur Nutzung von GĂŒlle kommt nur die NassvergĂ€rung in Frage, wĂ€hrend strukturreiche Biomasse die fĂŒr die NassvergĂ€rung nötigen RĂŒhrwerke blockieren kann. Zur NassvergĂ€rung wird die feste Biomasse gut zerkleinert und durch Zugabe von Wasser pumpbar gemacht. In Deutschland ist die NassvergĂ€rung vorherrschend, weil die meisten Anlagen von Landwirten mit Viehzucht errichtet wurden, die hĂ€ufig sowohl Energiepflanzen als auch GĂŒlle einsetzen.

DomĂ€ne der Trockenfermentation ist die VergĂ€rung von stapelbarer Biomasse mit einem Trockenanteill von 20–55 %, wie sie im Garten- und Landschaftsbau anfĂ€llt, sowie von Wiesen- oder Ackergras. Bei der Trockenfermentation werden organische Einsatzstoffe zur Gewinnung von Biogas unter anaeroben Bedingungen (ohne Luftsauerstoff) vergoren. Die Anlage besteht aus befahrbaren, gasdichten und sĂ€urebestĂ€ndigen Beton-Fermenterboxen welche zeitversetzt befĂŒllt und entleert werden (Diskontinuierlicher bzw. Batch-Betrieb).Trockenfermentation wird auch als ErgĂ€nzung oder Ersatz zur Kompostierung eingesetzt. Auch bei der „TrockenvergĂ€rung“ benötigen die zur VergĂ€rung notwendigen Mikroorganismen ausreichend Feuchtigkeit.

Ab 2004 wurde im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ein Technologiebonus von 2 Cent/kWh fĂŒr den durch Trockenfermentation erzeugten Strom bezahlt. In den folgenden Jahren nahm dadurch die Bedeutung der Trockenfermentation auch in der Landwirtschaft stark zu. FĂŒr neu errichtete Anlagen ab 2009 entfĂ€llt der Technologiebonus, da das Verfahren inzwischen als etablierte Technik gilt.

Batch- und kontinuierliche VergÀrung

Die meisten Anlagen werden mit kontinuierlicher VergĂ€rung betrieben, bei der dem Prozess meist mehrmals tĂ€glich Substrat zugefĂŒhrt wird und Biogas sowie GĂ€rrest entnommen werden. Vorteilhaft sind die Automatisierbarkeit und die relativ gleichmĂ€ĂŸige Gasproduktion, so dass nachfolgende Komponenten wie Gasreinigung, und Gasaufbereitung und Verbrennung im Blockheizkraftwerk (BHKW) ebenfalls kontinuierlich stattfinden. Neben der NassvergĂ€rung kann auch die TrockenvergĂ€rung einen kontinuierlichen Anlagenbetrieb erlauben.

Wenn der Gehalt an Trockenmasse hoch oder das Substrat sehr faserig oder kompakt ist, beispielsweise bei BiomĂŒll, HausmĂŒll und GrĂŒnschnitt, wird dagegen oft die Batch-VergĂ€rung angewandt. Hierbei wird fĂŒr jede Substratcharge die Biogaserzeugung abgeschlossen und der Fermenter entleert, bevor die nĂ€chste Charge eingebracht wird. Die Staffelung mehrerer Fermenter ermöglicht auch hier eine quasi-kontinuierliche Gasproduktion.

Ein- und mehrstufige Anlagen

Die einzelnen Schritte des mikrobiellen Abbaus haben bestimmte Optima. So lÀuft die Hydrolyse optimal bei einem niedrigen, leicht sauren pH-Wert, weshalb bei vielen Anlagen eine Hydrolysestufe mit nachgeschalteter Methanstufe vorhanden ist. Die Methanogenese lÀuft hingegen bevorzugt in leicht alkalischem Milieu ab. HÀufig findet sich aber auch nur ein oder mehrere parallel geschaltete Fermenter ohne Trennung der Abbaustufen. In der Regel ist noch ein LagerbehÀlter nachgeschaltet, der luftdicht abgeschlossen ist und als NachgÀrer fungiert.

Verwendung der Produkte

Biogas

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Biogas

Derzeit wird in Deutschland Biogas hauptsĂ€chlich direkt an der Biogasanlage zur dezentralen gekoppelten Strom- und WĂ€rmeerzeugung (Kraft-WĂ€rme-Kopplung) in Blockheizkraftwerken (BHKWs) genutzt; seltener wird das Biogas zu Biomethan aufbereitet. Bei der direkten Nutzung wird das Gasgemisch getrocknet, entschwefelt und dann einem Biogasmotor zugefĂŒhrt, der einen Generator antreibt. Der produzierte Strom wird in das Netz eingespeist. Die in Abgas und MotorkĂŒhlwasser enthaltene WĂ€rme wird in einem WĂ€rmeaustauscher zurĂŒckgewonnen. Ein Teil der WĂ€rme wird benötigt, um die Fermenter zu beheizen, da die Mikroorganismen, welche die Biomasse abbauen, am besten bei Temperaturen von 30–37 °C (mesophil) bzw. 50–60 °C (thermophil) wachsen. ÜberschĂŒssige WĂ€rme des Motors kann etwa zur Beheizung von GebĂ€uden, zum Trocknen der Getreide-Ernte, Hackschnitzeltrocknung oder den Betrieb von Aquakulturanlagen verwendet werden. Besonders wirtschaftlich und energieeffizient arbeiten Anlagen, deren ĂŒberschĂŒssige WĂ€rme ganzjĂ€hrig genutzt werden kann.

Biomethan

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Biomethan

In mehreren neueren Projekten wird das Biogas in Aufbereitungsanlagen auf ErdgasqualitĂ€t gereinigt und als Biomethan (Bioerdgas) in das Erdgasnetz eingespeist. Dies erhöht die Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen an Standorten ohne Strom- und WĂ€rmeabnehmer. Das Bioerdgas kann beispielsweise zu BHKWs weitergeleitet werden, die in unmittelbarer Nachbarschaft von kontinuierlichen WĂ€rmeabnehmern, wie z. B. Schwimmhallen, errichtet werden. Dadurch ist die AbwĂ€rme fast vollstĂ€ndig nutzbar. Aufbereitetes Biogas kann ebenso als Treibstoff fĂŒr erdgasbetriebene Fahrzeuge eingesetzt werden. Die Anlagentechnik zur Aufbereitung von Biogas zu Biomethan und Einspeisung in das Erdgasnetz ist derzeit allerdings noch recht kostenintensiv und nur fĂŒr „große Anlagen“ (ab 1,5 MWel) wirtschaftlich rentabel.

GĂ€rrest

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GĂ€rrest

Die GĂ€rrĂŒckstĂ€nde aus Biogasanlagen werden als landwirtschaftliche DĂŒngemittel verwendet. Sie sind vertrĂ€glicher fĂŒr die Pflanzen als RohgĂŒlle, die StickstoffverfĂŒgbarkeit ist höher und der Geruch weniger intensiv. Der GĂ€rrest der Nassfermentation („BiogasgĂŒlle“) ist eine gĂŒlleĂ€hnliche Substanz. Bei der Trockenfermentation entsteht stapelbarer GĂ€rrest, der ebenfalls als DĂŒnger eingesetzt werden kann und ungefĂ€hr die HĂ€lfte der Ausgangsmenge ausmacht. Die Menge des GĂ€rrests lĂ€sst sich durch eine aerobe Nachbehandlung noch weiter verringern, wodurch sich auch die Belastung mit Krankheitskeimen (Entseuchung) und Schwefelwasserstoffverbindungen verringert. ZusĂ€tzlich ist die Verbrennung zur weiteren Mengenreduzierung und Energiegewinnung möglich.

Entwicklung der Biogasanlagen

Allgemeine technische und marktbezogene Entwicklung

Der italienische Physiker Alessandro Volta untersuchte bereits 1789 ein brennbares Gas, das im Sediment des Lago di Como entstand. Wissenschaftler wie Faraday (der das Gas als Kohlenwasserstoff identifizierte), Davy und Dalton haben die Experimente von Volta nachvollzogen. Avogadro entdeckte die chemische Formel fĂŒr Methan (CH4). Dieses leicht zu erzeugende Gas war im 19. Jahrhundert bei physikalischen und chemischen Experimentalvorlesungen sehr beliebt.

Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man, dass Abwasser durch anaerobe VergĂ€rung geklĂ€rt werden kann. Ab 1906 entstanden im Ruhrgebiet Abwasserreinigungsanlagen mit beheizten Fermentern. Vorrangiges Ziel war damals nicht die Biogasgewinnung, sondern die Abfallverringerung. Erst ab etwa 1922 wurde Biogas aufgefangen und in das stĂ€dtische Gasnetz eingespeist. Einige KlĂ€rwerke konnten damit ihre Betriebskosten decken. Bis 1937 hatten einige deutsche StĂ€dte ihren Fuhrpark auf Biogas umgestellt. Die MĂŒllabfuhr der Stadt ZĂŒrich fuhr bis 1973 mit Biogas.

Versuche, Biogas nicht nur aus Abwasser zu gewinnen, wurden in den spĂ€ten 30er und dann wieder in den 50er Jahren zunĂ€chst mit Festmist und spĂ€ter mit GĂŒlle gemacht. Es entstanden etwa 50 Anlagen. Wegen des billig verfĂŒgbaren Erdöls wurden diese Versuche wieder eingestellt.

Durch die Energiekrise von 1973 wurde die Biogastechnik wieder aktuell. Wieder fallende Erdölpreise bremsten die weitere Entwicklung aber erneut.

Durch die relativ zur als Ackerland nutzbaren FlĂ€che grĂ¶ĂŸere Menge landwirtschaftlicher AbfĂ€lle oder GĂŒlle haben die Niederlande, die Schweiz (vgl. Kompogas) sowie Schweden bereits frĂŒh Erfahrungen mit Biogas gesammelt. In diesen LĂ€ndern wird es seltener zur lokalen Stromerzeugung genutzt, sondern hĂ€ufiger zu Biomethan aufbereitet. In den Niederlanden und in der Schweiz wird es in das Erdgasnetz eingespeist. In Schweden wird es fĂŒr Kraftfahrzeuge genutzt.

Entscheidenden Einfluss auf die Verbreitung der Biogasnutzung hatten die Erdölschwemme von 1955 bis 1972 und die folgende Ölkrise von 1972 bis 1973 sowie die nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Deutschland.

In Indien wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts Biogas zur Energieversorgung eingesetzt. Viele kleine Biogasanlagen bestehen in LĂ€ndern wie Indien, SĂŒdkorea, Taiwan, Malaysia sowie auch in Botswana zur privaten Energieversorgung. Über 40 Millionen Haushaltsanlagen befinden sich in China. Das Biogas wird hier ĂŒberwiegend aus Mist und Kot gewonnen und vor allem fĂŒr Koch- und Heizzwecke genutzt, wodurch sich die lokale Abholzung reduziert und die LebensqualitĂ€t der Menschen verbessert.

Entwicklung in Deutschland

Der Anbau nachwachsender Rohstoffe zur Biogasnutzung in Deutschland ist von 400.000 ha im Jahr 2007 auf 530.000 ha im Jahr 2009 gestiegen.cite-ref-5[5]

Auch die Zahl der Anlagen sowie der installierten elektrischen Leistung ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Ein vergleichsweise hoher Anstieg lĂ€sst sich mit der seit 2004 gĂŒltigen ersten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausmachen. Betrug die Zahl der Anlagen im Jahr 2004 vor der Novelle noch 2010, so waren es 2005 schon 2690 Anlagen in Deutschland. Im Jahr 2007 ist diese Zahl auf 3711 weiter gestiegen. Diese Entwicklung lĂ€sst sich durch die Erhöhung der VergĂŒtung der durch Biogasanlagen erzeugten kWh erklĂ€ren. Die elektrische Leistung stieg von 247 MW im Jahr 2004 ĂŒber 665 MW 2005 bis auf 1270 MW 2007. Da die Leistung neu installierter Anlagen zunimmt, steigt die Gesamtleistung schneller als die Anzahl der Anlagen. Weil viele Biogasanlagen einen großen Anteil der AbwĂ€rme ungenutzt an die Umwelt abgeben, besteht hier noch weiteres Potential, beispielsweise durch den Aufbau von NahwĂ€rmenetzen oder die Aufbereitung zu Biomethan.cite-ref-6[6]

Im Jahr 2009 waren in Deutschland 4671 Biogasanlagen in Betrieb, die insgesamt rund 11 % des Stroms aus erneuerbaren Energien produzieren.cite-ref-7[7] Ende 2011 waren 7.100 Biogasanlagen mit einer installierten Leistung ca. 2.800 MW in Betrieb, entsprechend der Nennleistung zweier großer Kernkraftwerke.cite-ref-8[8] Mit dem EEG 2012 und der neuen VergĂŒtungsstruktur war der Zubau an Biogasanlagen 2012 deutlich geringer als im Vorjahr. Der Fachverband Biogas gibt den Anlagenbestand zum 31. Dezember 2012 auf 7.515 mit einer installierten Leistung von 3.352 MW an.cite-ref-9[9]

Mit der von 2009 bis 2011 gĂŒltigen 2. Novelle des EEG wurde ein GĂŒllebonus eingefĂŒhrt, der kleinere Anlagen mit hohem GĂŒlleanteil fördern soll. In Deutschland werden schĂ€tzungsweise lediglich 15 % der verfĂŒgbaren GĂŒlle aus der Tierhaltung energetisch genutzt. Mit der Nutzung dieses Potentials könnte die Biogastechnologie ihren Beitrag zum Klimaschutz weiter ausbauen.

Das EEG 2012 sieht keine Boni mehr vor.

Mit EinfĂŒhrung des EEG 2014 zum 1. August 2014 wird der Fokus auf die Nutzung von landwirtschaftlichen Reststoffen gelegt, der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen bei neu zu errichtenden Anlagen spielt de facto keine Rolle mehr. Der Anlagenneubau bei landwirtschaftlichen Biogasanlagen beschrĂ€nkt sich ĂŒberwiegend auf Anlagen im Leistungsbereich bis zu 75kWel, die sogenannten Hofbiogasanlagen. Haupteinsatzstoffe dieser Anlagenklasse sind GĂŒlle und Mist aus der jeweiligen örtlichen Tierproduktion am „Hof“.

VergĂŒtung in Deutschland

In Deutschland wird das Einspeisen von regenerativ erzeugtem Strom in das Stromnetz durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Die Betreiber der Übertragungsnetze mĂŒssen den erzeugten Strom zu definierten Preisen abnehmen, können diese Kosten aber an den Endkunden weiterreichen. Zwischen den Übertragungsnetzbetreibern findet ein Ausgleich der Mehrkosten fĂŒr die Pflichtabnahme des Stroms statt, so dass die Mehrbelastung des Endkunden bundesweit gleich ist. Die VergĂŒtungshöhe gemĂ€ĂŸ EEG-Novelle 2009 ist in der unten stehenden Tabelle vereinfacht aufgefĂŒhrt.cite-ref-10[10] Wenn das Biogas nur thermisch verwertet wird, erhĂ€lt der Biogasanlagenbetreiber keine EEG-VergĂŒtung. FĂŒr Deponie- und KlĂ€rgas sind im EEG eigene MindestvergĂŒtungssĂ€tze und Boni festgelegt.

| AnlagengrĂ¶ĂŸe | GrundvergĂŒtung (2009) | NaWaRo- Bonus | KWK- Bonus | Technologie- bonus | GĂŒlle- bonus | Formaldehyd- bonus |
|---|---|---|---|---|---|---|
| bis 150 kW el | 11,67 | 7 | 3 | bis 2 | 4 | 1 |
| bis 500 kW el | 9,18 | 7 | 3 | bis 2 | 1 | 1 |
| bis 5 MW el | 8,25 | 4 | 3 | bis 2 | 0 | 0 |
| bis 20 MW el | 7,79 | 0 | 3 | 0 | 0 | 0 |

Die VergĂŒtungshöhe ist, ab dem Jahr der Inbetriebnahme, fĂŒr 20 Jahre garantiert. Ein Inflationsausgleich findet nicht statt. FĂŒr Neuanlagen gilt eine Degression der VergĂŒtung von 1 % pro Jahr. FĂŒr eine Anlage, die 2009 in Betrieb genommen wurde, gelten also fĂŒr 20 Jahre die VergĂŒtungssĂ€tze nach EEG 2009. Eine Anlage, die 2010 in Betrieb genommen wird, bekommt 20 Jahre lang jedes Jahr 1 % weniger.

Der NaWaRo-Bonus wird gewĂ€hrt, wenn in der Biogasanlage nur Pflanzen oder pflanzliche Bestandteile verwendet werden, die in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, im Gartenbau oder in der Landschaftspflege anfallen und keinen anderen Zweck als die Verwertung in der Biogasanlage haben. DarĂŒber hinaus darf auch GĂŒlle in einer NaWaRo-Anlage verwendet werden. Bei mindestens 30 % GĂŒlleanteil am Substrat (jederzeit) wird zudem ein GĂŒlle-Bonus gewĂ€hrt, der bei Anlagen bis 150 kWel 4 Cent, bei Anlagen bis 500 kWel 1 Cent/kWhel betrĂ€gt.

Die Höhe des KWK-Bonus ist, je nach Anlagenkonzept, variabel. Er hĂ€ngt zum einen von der Stromkennzahl (SKZ) ab, die sich durch Division des elektrischen durch den thermischen Wirkungsgrad des Blockheizkraftwerkes berechnet. Durch Multiplikation von SKZ und der Menge (kWhth) der tatsĂ€chlich und sinnvoll genutzten BHKW-AbwĂ€rme ergibt sich die Strommenge (kWhel), fĂŒr die der Bonus tatsĂ€chlich gewĂ€hrt wird. Ein hoher elektrischer Wirkungsgrad und eine große Menge tatsĂ€chlich genutzter WĂ€rme sorgen also fĂŒr einen hohen Bonus. FörderwĂŒrdige WĂ€rmenutzungskonzepte sind durch das EEG 2009 definiert.

Der Technologiebonus wird bei Verwendung von neuartigen Technologien in der Biogasanlage gewÀhrt, sofern eine WÀrmenutzung stattfindet oder bestimmte elektrische Wirkungsgrade erreicht werden. Diese können z. B. die Verwendung eines Stirlingmotors, einer ORC-Turbine, eines Kalina-Prozesses, einer Brennstoffzelle oder einer Gasturbine sein. Zudem gilt der Bonus bei Aufbereitung des Biogases auf ErdgasqualitÀt zur Einspeisung in das Gasnetz sowie bei bestimmten Verfahren zur VergÀrung von BioabfÀllen.

Bei Anlagen bis 500 kWel wird ein Emissionsminderungs-Bonus (Erhöhung der GrundvergĂŒtung um 1,0 c/kWh fĂŒr Anlagen nach BImSchG bei Einhaltung der entsprechenden Formaldehydgrenzwerte nach Emissionsminimierungsgebot der TA Luft) von 1 Cent/kWh gewĂ€hrt, wenn bestimmte Grenzwerte eingehalten werden.

Wesentliche Neuerungen gegenĂŒber dem EEG 2004 sind die Abschaffung des Technologiebonus fĂŒr Trockenfermentation, die Erhöhung der GrundvergĂŒtung von Kleinanlagen und des Nawaro-Bonus, die EinfĂŒhrung eines GĂŒlle-, Landschaftspflegematerial- und Emissionsminderungs-Bonus und die strukturierte Förderung der Gaseinspeisung unterschiedlicher KapazitĂ€ten sowie zahlreiche Detailregelungen.

Seit der EinfĂŒhrung des EEG 2012 ist die VergĂŒtungsstruktur neu geregelt worden. Es gibt keine Boni mehr, nur noch eine GrundvergĂŒtung sowie VergĂŒtungen fĂŒr Einsatzklassen. Ferner gibt es im Rahmen der Direktvermarktung eine MarktprĂ€mie sowie eine FlexprĂ€mie.

Steuerliche Behandlung in Deutschland

Zur ertragsteuerrechtlichen Behandlung von Biogasanlagen siehe BMF-Schreiben vom 11. April 2022 - IV C 7 – S 2236/21/10001:002 (BStBl I S. 633).

Entwicklung in der Schweiz

Am 19. MĂ€rz 1990 wurde in der Deponie Teuftal das damals grĂ¶ĂŸte Biogaskraftwerk der Schweiz eröffnet.cite-ref-11[11]

Seit dem 1. Januar 2009 gilt in der Schweiz die kostendeckende EinspeisevergĂŒtung (KEV); damit verbunden ist ein erhöhter Einspeisetarif (EinspeisevergĂŒtung fĂŒr aus Biogas erzeugten Strom) fĂŒr erneuerbare Energien, welcher auch Biogas einschließt. Die VergĂŒtung besteht aus einem festen Abnahmepreis und einem zusĂ€tzlichen sogenannten Landwirtschaftsbonus, der gewĂ€hrt wird, wenn mindestens 80 % der Substrate aus HofdĂŒnger bestehen. Das schweizerische Fördermodell soll so die nachhaltige Entwicklung im Energiesektor forcieren, da es insbesondere die gĂŒllebasierten und damit nachhaltigsten Biogasanlagen fördert.

Das schweizerische Förderinstrument fĂŒr erneuerbare Energien (KEV) trĂ€gt bei der Biomasseverwertung dem Umstand Rechnung, dass keine FlĂ€chen fĂŒr den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen vorhanden sind. Das Gesetz hat bisher im Bereich der Nutzung von GĂŒlle keinen Zuwachs an landwirtschaftlichen Biogasanlagen bewirkt. Die geringe AttraktivitĂ€t von GrĂŒngut als Co-Substrat fĂŒr landwirtschaftliche Anlagen und das somit energetisch ungenutzte Potenzial hat Biogasfirmen dazu bewogen, neue Anlagenmodelle zu entwerfen.cite-ref-12[12] Kombiniert mit Festmist, Speiseresten oder BioabfĂ€llen aus Gemeinden,cite-ref-13[13]cite-ref-14[14] bieten sich neue Möglichkeiten, ohne die Rohstoffe ĂŒber große Entfernungen zu zentralen Anlagen zu transportieren. Die gleichzeitige Möglichkeit zur GĂŒlleveredelung stellt ein neuartiges Konzept zur Gewinnung erneuerbarer Energie dar. Die grĂ¶ĂŸte Biogasanlage der Schweiz wird inzwischen von der Recycling Energie AG in Nesselnbach betrieben.cite-ref-15[15]

Sicherheit

Da in Biogasanlagen große Mengen brennbarer Gase erzeugt und verarbeitet werden, ist die Betriebssicherheit von großer Bedeutung. Bei falscher Bedienung der Biogasanlage, bei Konstruktionsfehlern und MaterialschĂ€den besteht die Möglichkeit einer Verpuffung oder Explosion. 2007 kam es etwa zu drei UnfĂ€llen in Biogasanlagen (in Riedlingen, Walzbachtalcite-ref-16[16] und Deiderode).cite-ref-17[17]cite-ref-18[18] Durch den Eintrag von GĂ€rsubstraten oder GĂ€rreste in GewĂ€sser kam es im Verlauf eines Unfalls in Barßel zum Fischsterben.cite-ref-19[19] In EinzelfĂ€llen können Schadgase in erheblichem Umfang emittiert werden, z. B. Schwefelwasserstoff bei einem Unfall bei Zeven im Jahr 2005, bei dem vier Menschen starben.cite-ref-20[20]

Bewertungen

Biogasanlagen sind neben Wasserkraftwerken, Solaranlagen, Biomasseheiz(-kraft-)werken und Windkraftanlagen wichtige Erzeuger von Strom und WĂ€rme aus erneuerbaren Energien. Vor- und Nachteile variieren auch mit Substrattyp und Anlagenbauweise:

Vorteile

‱ Regenerative Energiequelle mit örtlich verfĂŒgbaren, nachwachsenden Rohstoffen; dadurch Einsparung fossiler EnergietrĂ€ger
‱ Verwendung anderweitig nicht nutzbarer Pflanzen und Pflanzenteile wie BioabfĂ€lle, ZwischenfrĂŒchte, Erntereste und sonstiger Nebenprodukte
‱ Höhere Energieausbeute pro AnbauflĂ€che im Vergleich zu anderen Bioenergien wie Biodiesel und BtL-Kraftstoff
‱ Die dezentrale Stromerzeugung verringert den Aufwand der Energieverteilung zum Endverbraucher.
‱ GrundlastfĂ€higkeit sowie Möglichkeit zur bedarfsgerechten Erzeugung, auch durch die Speicherung von Biogas; damit gute ErgĂ€nzung zur Stromgewinnung aus Windkraft- und Solaranlagen
‱ Aufbereitetes Biogas kann als Biomethan in das Erdgasnetz eingespeist werden und Erdgas im Strom-, WĂ€rme und Verkehrssektor ersetzen.
‱ Verbesserte DĂŒngerqualitĂ€t des GĂ€rrests im Vergleich zu RohgĂŒlle:

‱ verringerter Geruch und geringere Ätzwirkung bei der Ausbringung
‱ bessere PflanzenverfĂŒgbarkeit der NĂ€hrstoffe

‱ Die VergĂ€rung von GĂŒlle reduziert die Methan- und Geruchsemissionen (Minimierung THG-Emissionen).
‱ Wertschöpfungserhöhung und Einkommensalternative fĂŒr den landwirtschaftlichen Raum
‱ Einsparung von KunstdĂŒnger durch ackerbauliche GĂ€rrestnutzung

Nachteile

‱ Negative UmwelteinflĂŒsse durch Intensivierung der Landwirtschaft (z. B. ArtenrĂŒckgang).cite-ref-spiegel111210-21-0[21]
‱ Regionale FlĂ€chenkonkurrenzen zwischen den AnbauflĂ€chen zur Nahrungsmittel-, Futtermittel- und Energiepflanzenerzeugung.cite-ref-spiegel111210-21-1[21] Besonders in EntwicklungslĂ€ndern droht die Verknappung von AnbauflĂ€chencite-ref-22[22] zur Nahrungsmittelversorgung.
‱ Der Anstieg der Pachtpreise fĂŒr landwirtschaftliche FlĂ€chen und hohe Investitionen durch die Landwirte fĂŒhren mittelbar zum Anstieg der Lebensmittelpreise.cite-ref-spiegel111210-21-2[21]
‱ In der Biogasanlage entstehende Gase können zur Explosion, Erstickung oder Vergiftung fĂŒhren. Proteinreiche Substrate erhöhen den Anteil des hochgiftigen Schwefelwasserstoffs im Biogas.
‱ UnplanmĂ€ĂŸig entweichendes Methan hat einen 25-fach höheren Treibhauseffekt als Kohlendioxid.cite-ref-23[23]

Siehe auch
Literatur

‱ Leitfaden Biogas – Von der Gewinnung zur Nutzung. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR). 5. Aufl. 2010. ISBN 3-00-014333-5.

Umfassendes, aktuelles 272-Seiten Literaturwerk zum Thema Biogas und (landwirtschaftliche) Biogasanlagen. Die Handreichung kann kostenlos von der FNR bezogen werden.

‱ Biogas-Messprogramm II – 61 Biogasanlagen im Vergleich. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR). 1. Aufl. 2010, ISBN 978-3-9803927-8-5, (online), Umfassendes, aktuelles 168-Seiten Literaturwerk zum Vergleich von 61 Biomasse-Biogasanlagen, die ausschließlich Energiepflanzen und WirtschaftsdĂŒnger einsetzen.
‱ B. Eder, H. Schulz: Biogas Praxis. Grundlagen, Planung, Anlagebau, Beispiele und Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen. ökobuch Verlag Staufen 2006, 3. Auflage, ISBN 978-3-936896-13-8
‱ M. Madigan, J. Martinko, J. Parker: Brock – Mikrobiologie. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, deutsche Übersetzung, Berlin 2001, ISBN 978-3-8274-0566-1
‱ Sicherheitsregeln fĂŒr Biogasanlagen. Sozialversicherung fĂŒr Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (Hrsg.) (PDF)
‱ BroschĂŒre Biogasanlagen in der Landwirtschaft. aid-Infodienst. 5. Aufl. 2009, ISBN 978-3-8308-0856-5
‱ Faustzahlen Biogas. Kuratorium fĂŒr Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (KTBL). 2. Aufl. 2009, ISBN 978-3-941583-28-3

Weblinks

Commons

: Biogasanlagen

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Biogasanlage

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Video: ProzessablĂ€ufe bei einer Feststoffanlage (Trockenfermentation)
‱ Schaubild einer Biogasanlage (PDF)
‱ Biogasrechner

Einzelnachweise

cite-note-biogas-basisdaten-2008-11. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR): Biogas Basisdaten Deutschland. (PDF; Stand: Oktober 2008). Quelle fĂŒr alle Angaben außer fĂŒr Pressschnitzel.
cite-note-22. Biogasausbeuten verschiedener Substrate, Sparte Kartoffeln/RĂŒben lfl.bayern.de, siehe Pressschnitzel siliert.
cite-note-33. ↑ Die Hauptkomponenten von Biogasanlagen I PowerUP. Abgerufen am 13. November 2025 (deutsch).
cite-note-44. ↑ Grundlagen Biogas@1@2Vorlage:Toter Link/www.mr-wetterau.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
cite-note-55. ↑ Deutschland setzt weiter auf nachwachsende Rohstoffe.@1@2Vorlage:Toter Link/www.nachwachsenderohstoffe.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.
cite-note-66. ↑ Monitoring zur Wirkung des EEG auf die Entwicklung der Stromerzeugung aus Biomasse (BMU, 2007). Fachverband Biogas (2007)
cite-note-77. ↑ Bestandsentwicklung der Biogasanlagen in Deutschland (Memento vom 2. September 2010 im Internet Archive)
cite-note-88. ↑ Biogasanlagen ersetzen zwei Atomkraftwerke. (Memento vom 27. Mai 2012 im Internet Archive) In: agrarheute.com, 25. Mai 2012. Abgerufen am 25. Mai 2012.
cite-note-99. ↑ Fachverband Biogas e. V. Branchenzahlen (Memento vom 20. Dezember 2013 im Internet Archive) (PDF)
cite-note-1010. ↑ Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2009)
cite-note-1111. ↑ Biogas Teuftal. In: Play SRF. DRS aktuell, 19. MĂ€rz 1990, abgerufen am 7. Mai 2025.
cite-note-1212. ↑ Thurgauer Zeitung – Neuer Schub fĂŒr die Biogasbranche (PDF; 263 kB).
cite-note-1313. ↑ Biogas Journal – BioabfĂ€lle bieten noch Potential fĂŒr Biogas (PDF; 1,6 MB).
cite-note-1414. ↑ Biogas Journal – Energieresource kommunale BioabfĂ€lle (PDF; 989 kB).
cite-note-1515. ↑ Yves Demuth: Ist die PlastikhĂŒlle bei Gurken wirklich nötig? In: beobachter.ch. 25. April 2019, abgerufen am 11. Mai 2019.
cite-note-1616. ↑ Verpuffung an Biogasanlage. In: ka-news.de, 15. Juni 2007.
cite-note-1717. ↑ Biogasanlage explodiert. In: Spiegel online, 16. Dezember 2007
cite-note-1818. ↑ Havarie in der Biogasanlage: Gutachten macht Betreibern Hoffnung. (Memento vom 17. September 2008 im Internet Archive) In: SchwĂ€bische Zeitung, 26. August 2008.
cite-note-1919. ↑ Schweißfunken entfachen Feuer. In: NWZ online, 24. September 2008, abgerufen am 20. Januar 2019.
cite-note-2020. ↑ Biogas erhitzt die GemĂŒter. In: NWZ online, 24. September 2008.@1@2Vorlage:Toter Link/www.nwzonline.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2018. Suche in Webarchiven)
cite-note-spiegel111210-2121. ↑ BundeslĂ€nder kritisieren teuren Biogasboom. In: Spiegel online, 11. Dezember 2010
cite-note-2222. ↑ ErnĂ€hrung weltweit: verantwortlich – nachhaltig – sicher! (Memento vom 15. September 2014 im Internet Archive), Eine Zusammenfassung von Uwe Möller, Club of Rome, PDF, 7 Seiten
cite-note-2323. ↑ Johannes Bachmaier, Andreas Gronauer: Klimabilanz von Biogasstrom: Klimabilanz der energetischen Nutzung von Biogas aus WirtschaftsdĂŒngern und nachwachsenden Rohstoffen. Bayerische Landesanstalt fĂŒr Landwirtschaft, 2007, OCLC 214385061.